Den Ausschlag für den Wechsel nach Dresden haben neben der Option der Protonentherapie, der hohen onkologischen Expertise im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) und der in der Patientenversorgung unmittelbar kooperierenden Kliniken für Kinderchirurgie, Neurochirurgie und Orthopädie sowie das exzellente wissenschaftliche Umfeld gegeben. So engagiert sich Prof. Hauer neben ihrer ärztlichen Tätigkeit in der Forschung. Dazu ist sie auch mit ihrem Wissenschaftlerteam im NCT/UCC vertreten.

Jedes Jahr behandelt die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zwischen 60 und 80 Kinder, bei denen eine Krebserkrankung neu aufgetreten ist. Die Dresdner Kinderklinik gehört damit zu den großen kinderonkologischen Einrichtungen in Deutschland. Die Prognosen für diese Patienten ist trotz dieser schweren, sehr komplex zu behandelnden Erkrankungen deutlich besser als bei Erwachsenen – bis zu 80 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen können geheilt werden. Dass dies trotz der geringen Patientenzahl möglich ist, liegt auch am engen Austausch unter den Krebsexperten der Fachgesellschaft und den kontinuierlich aktualisierten und standardisierten Therapieprotokollen. Bei der Behandlung von Leukämien wurde beispielsweise vor gut einem Jahr der Einsatz von Antikörpertherapien im Rahmen der Therapieempfehlung der Fachgesellschaft etabliert, eine Behandlung, deren Entwicklung Prof. Hauer bereits seit längerem begleitet. „Die gegen die krankhaft veränderten weißen Blutkörperchen eingesetzten Antikörper wirken viel spezifischer als eine Chemotherapie. Durch sie lassen sich die entarteten Leukozyten so stark zurückdrängen, dass sie im Blut und Knochenmark nicht mehr nachweisbar sind. Allerdings fehlen uns noch Erkenntnisse über die langfristigen Erfolgsraten, weshalb sich für viele Patienten eine Stammzelltransplantation anschließt“, sagt die Ärztin. Ein weiterer Vorteil der Antikörper gegenüber der Chemotherapie sind die geringeren Nebenwirkungen: „Die Chemotherapie richtet sich gegen alle Zellen, die sich schnell teilen – also nicht nur gegen die Krebszellen, sondern auch gegen die Schleimhaut- oder Haarzellen.“ Antikörper bekämpfen dagegen ganz gezielt ausschließlich die Krebszellen, weshalb sie wirksamer sind und geringere Nebenwirkungen haben.

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„Mit Frau Hauer haben wir eine Persönlichkeit für die Hochschulmedizin Dresden gewinnen können, die sehr gut zu unserer sich gerade verjüngenden Mannschaft an renommierten Ärzten und Wissenschaftlern passt. Neben ihrer herausragenden medizinischen und wissenschaftlichen Expertise ist sie eine Teamplayerin, die darauf brennt, sich mit den anderen Fächern zu vernetzen. Ich erwarte mir deshalb wichtige Impulse, die die Rolle der pädiatrischen Onkologie in der Dresdner Krebsmedizin stärken wird“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums.

„Dresden bietet sehr gute Voraussetzungen für eine optimale Therapie von Krebserkrankungen auch bei Kindern und Jugendlichen. Das ist neben der engen Kooperation innerhalb der Kinderklinik sowie mit den internistischen Kollegen der Medizinischen Klinik I und der Klinik für Strahlentherapie (einschl. Protonentherapie) vor allem die hohe Expertise in der Kinderchirurgie, Neurochirurgie und Orthopädie. Ganz wesentlich sind aber auch die engen Kooperationen mit den wissenschaftlichen Partnern innerhalb und außerhalb der Medizinischen Fakultät sowie der TU Dresden, wo innovative neuartige Therapien entwickelt werden. Ich möchte diese klinischen und wissenschaftlichen Leuchttürme hier in Dresden zum Wohle der krebskranken Kinder noch stärker vernetzen“, sagt Prof. Hauer.

Als Wissenschaftlerin geht die Onkologin unter anderem der Frage nach genetischen Prädispositionen bei Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter nach. Aktuelle Forschungen gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent der Krebserkrankungen im Kindesalter durch eine vererbte Prädisposition begünstigt wurden. Ob diese Rate nicht doch höher liegt, können nur weitere Untersuchungen ergeben. Deshalb will Prof. Hauer allen Familien mit einem an Krebs erkranktem Kind entsprechende Untersuchungen anbieten. Bei der TRIO-Sequenzierung wird das Erbgut der Kernfamilie; also neben dem Patienten noch Mutter und Vater untersucht und abgeglichen. Für diese Untersuchungen, die nicht von den Krankenklassen finanziert werden, benötigt die Krebsforscherin weitere Gelder. Dabei baut sie unter anderem auch auf die Unterstützung des Dresdner Sonnenstrahl e.V., für die sie erstmalig zur 2. Foodraising-Party am 19. Januar in der Gläsernen Manufaktur teilnehmen wird.

„Wir sind davon überzeugt, dass mit Frau Prof. Hauer eine international ausgewiesene Expertin an unsere Klinik berufen werden konnte, die die Dresdner Kinderonkologie in der Spitzengruppe der deutschen Kinderkrebszentren noch weiter nach oben führen wird“, bekräftigt Prof. Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums.

Lebenslauf von Prof. Julia Hauer

1977 geboren, studierte Julia Hauer von 1997 bis 2004 Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, wo sie im Jahr 2006 auch promovierte. Sie habilitierte sich 2015 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit einem immunologischen Thema. Bereits während ihres Studiums hospitierte sie an den renommierten Kliniken – der Harvard Medical School (2003), der Columbia University, New York (2001) sowie dem Royal-Free-Hospital London (1998). Von 2006 bis 2009 war sie als Postdoktorandin am Hôpital Necker in Paris tätig.

Ihr beruflicher Werdegang führte Julia Hauer von München über Paris und Düsseldorf nach Dresden: Sie war von 2004 bis 2006 Assistenzärztin am Dr. v. Haunerschen Kinderspital der LMU. Nach ihrem Frankreich-Aufenthalt kam sie 2009 als Assistenzärztin an die Klinik für Kinder-Onkologie, -Hämatologie und klinische Immunologie, Universitätsklinikum Düsseldorf. Nach dem Ende der Assistenzarztzeit wurde sie 2014 in dieser Klinik Oberärztin und wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiterin. Im März 2017 folgte an gleicher Stelle die Ernennung zur W2-Professorin für Experimentelle Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. 2018 erhielt Julia Hauer den Ruf auf die Professur für pädiatrische Hämato-Onkologie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und leitet seit 1. Januar 2019 den Bereich Pädiatrische Onkologie und Hämatologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dresdner Uniklinikums.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Bereich Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
Leiterin: Prof. Dr. med. Julia Hauer
Tel. 0351/ 4 58 34 20
E-Mail: julia.hauer@uniklinikum-dresden.de