Als Wissenschaftsdisziplin hat sich die Musiktherapie in Europa in der Nachkriegszeit entwickelt. In den 50er und 60er Jahren entstanden die ersten akademischen Ausbildungsgänge in Österreich und Großbritannien – Deutschland folgte 1979 mit dem Modellstudiengang Musiktherapie an der SRH Hochschule Heidelberg.
Im Studium lernen die Studierenden Musik gezielt zur Förderung von Gesundheit einzusetzen. In der hochschuleigenen Lehrambulanz arbeiten sie mit Klienten, die beispielsweise bei Entwicklungsstörungen, psychosomatischen Erkrankungen oder Demenz Unterstützung in der Musiktherapie suchen. Ergänzend zum gängigen Instrumentarium, bestehend aus Percussion-Instrumenten, Klavier, Gitarre und vielen anderen, arbeiten Musiktherapeuten immer häufiger auch mit Computern, Tablets und anderen digitalen Komponenten. „Digitale Medien werden unter anderem in der Therapie neurologischer Erkrankungen und bei Menschen mit Behinderung an Bedeutung gewinnen“, unterstreicht Prof. Dr. Alexander Wormit, Leiter des Bachelor-Studiengangs Musiktherapie.

Die technische Entwicklung hat nicht nur die musiktherapeutischen Behandlungsoptionen erweitert, sondern auch die Lebenswelt der Patienten verändert. Josephine Geipel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Musiktherapie, ergänzt: „Wir Musiktherapeuten sollten unsere Klienten darin unterstützen, Musik auch im Alltag gesundheitsfördernd einzusetzen. Neue Medien eröffnen uns dabei neue Möglichkeiten.“

Das Symposium „Musiktherapie und Digitalisierung“ am 21. September an der SRH Hochschule Heidelberg zeigt in Vorträgen und Workshops neue Wege zum Einsatz digitaler Medien in der Musiktherapie auf. Veranstaltungspartner ist der Berufsverband der Musiktherapeut*innen, die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft. Ein Roundtable knüpft thematisch an den Festakt des Vorabends an und diskutiert die berufspolitischen Schritte zur Realisierung eines Ausbildungs- und Berufsgesetzes für die Musiktherapie nach dem Vorbild Österreichs und anderer europäischer Länder. „Trotz der Empfehlung von Musiktherapie in verschiedenen medizinischen Leitlinien, gibt es in Deutschland immer noch kein Gesetz, das den Beruf des Musiktherapeuten regelt und Patienten schützt“, mahnt Prof. Dr. Thomas Hillecke der SRH Hochschule Heidelberg eindringlich.

idw 2019/09